Landwirtschaft

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Landwirtschaft

In diesem Bericht wird versucht, möglichst viele Daten aus der Landwirtschaft zu sammeln, damit sie nicht vollständig verloren gehen. Zeitzeugen gibt es bald keine mehr. Auch werden Vergleiche angestellt. Dieser Bericht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit mit exakten Nachweisen.

Geschichte:

Im Jahrbuch des Monschauer Landes von 1955 berichtet Walter Scheibler u.a., dass der Monschauer Landesfürst Reinhard von Schönforst im Jahre 1369 einen Teil seines Vermögens an seine beiden ältesten Söhne weiter gab. Sein Sohn Johann bekam u.a. die Stadt Monschau mit den umliegenden Dörfern Konzen, Mützenich, Imgenbroich, Frohnrath, Lammersdorf, Kesternich, Strauch und Rollesbroich. Dies scheint die erste Erwähnung von Frohnrath (Alt Eicherscheid) zu sein. Von Konzen kommend dürfte Frohnrath hinter der Kreuzung „Am Gericht“ Richtung Eicherscheid rechts der Straße gelegen haben. Die Flur wird heute mit Mergenbuir (teilweise früher Herebönd) bezeichnet. Es wird vermutet, dass die Menschen damals nicht ungestört dort leben konnten. Sie rodeten wahrscheinlich unerlaubt den Eichenwald im heutigen Bereich von Eicherscheid, zogen dann aber weg (Belege gibt es nicht).

Eicherscheid:

Die ersten Hinweise auf die Existenz des heutigen Dorfes Eicherscheid kann man aus dem Protokoll eines Zeugenverhörs bezüglich Grenzstreitigkeiten aus dem Jahre 1550 entnehmen.„Ein Hens uff Taelscheit, in Eyscheit geboren, ungefähr 83 Jahr alt, gibt zu Protokoll, in seiner Jugend hätte die Siedlung Eyscheit 16 – 18 Feuerstellen, d.h. Familien, gehabt. Wogegen es heute im Jahre 1550 über 50 Feuerstellen seien“.
Hieraus kann man schließen, dass um 1450 im heutigen oder umliegenden Dorfgebiet eine Siedlung existierte. In einem alten Lagerbuch von 1508 sind die ersten Rodungen im heutigen Bereich von Eicherscheid erwähnt.

Lebensunterhalt:

Gelebt haben diese Menschen wahrscheinlich vom Getreideanbau. Denn in alten Unterlagen findet man fast immer die Berufsbezeichnung Ackerer. Angebaut wurde vermutlich zunächst Buchweizen, Hafer und Gerste, später folgte Roggen. Bis ca. 1920 wurde das Getreide mit einem Dreschflegel ausgeschlagen. Auf dem Boden in der Scheune lag ein Tuch zur Aufnahme der Körner. Später wurde der Dreschflegel von einem so genannten Jöbbel ersetzt. Ein Zugtier ging im Kreis und trieb dieses „mechanische Gerät“ an. Dabei drückte ein Zahnkranz die Körner aus den Ähren. In einem speziellen Korb wurde das Getreide draußen hochgeworfen und der Wind trennte die Körner von der Spreu.
Ab ca. 1930 nahm Hermann Kaulard die erste Dreschmaschine in Eicherscheid in Betrieb (heute Zum Belgenbach Nr. 25). Wahrscheinlich hatte die Familie Schafe, Ziegen und Schweine. Für jedes Dorf wurden die so genannten Weidgänge von den Landesherren festgelegt, die von den Ackerern genau eingehalten werden mussten. Im Jahre 1787 legte das damalige Monschauer Gericht die Weidgänge für Eicherscheid neu fest. Mit 40 Unterschriften bestätigten die Ackerer diese Vereinbarung (Quelle: Monschauer Jahrbuch 1981). Sie durften dann ihr Vieh in den Wald treiben und das spärliche Gras fressen lassen. Im Herbst trieben sie ihre Schweine in den Eichenwald, damit diese sich von den Eicheln ernährten. Vorher mussten sie dem Förster die Stückzahlen ihres Viehs nennen. Fand der Förster ein nicht angemeldetes Tier, wurde es sofort konfisziert und der Ackerer musste mit schweren Strafen rechnen. Selbst die Entnahme von Moos zum Abdichten der Häuser musste vorher angemeldet werden. Auch hierfür mussten die Ackerer Abgaben an die jeweiligen Landesherren entrichten.

Entsprechend einer so genannten Wroegeliste von 1684 mussten in Eicherscheid 77 Familien Abgaben an den Landesherrn entrichten. Im Jahre 1784 waren es bereits 85 Familien. Wenn man sich heute den sehr spärlichen Graswuchs in unseren Eichenwäldern ansieht, kann man sich kaum vorstellen, dass davon Tiere satt werden bzw., dass dieses Gras zum Heumachen für den ganzen Winter reichen könnte. In der Gründerzeit gab es noch keine Wiesen. Ab ca. 1930 wurden die bisher üblichen Heuböcke (Dreiecksgestelle) von Heuhütten ersetzt. Zwei gegeneinander gestellte Holzdreiecke mit Querstangen nahmen das vorgetrocknete Heu auf. Der Vorteil bestand darin, dass der Wind an den beiden offenen Stellen durch die Heuhütten blasen konnte. So mancher Ackerer ging später mit der Sense auch ins Venn und mähte dort Gras. Dieses Heu wurde zum Streuen (Streuwer) aber im Notfall auch zum Füttern des Viehs im Winter verwandt.

Die oft erwähnten Hungersnöte in unserer Gegend sind vor diesem geschichtlichen Hintergrund leicht erklärbar. Besonders dann, wenn die schlechte Witterung zu extrem geringen Ernten beitrug (z.B. 1816/1817). Bei besonders schlechter Witterung erlaubte der Pastor im Hochamt auf Anfrage den Bauern, sonntags nachmittags im Heu zu arbeiten (Bis nach dem 2. Weltkrieg üblich).

Im Jahre 1756 wurde durch einen Erlass von Friedrich dem Grossen der Anbau von Kartoffeln im ganzen Land angeordnet. Mit dieser Maßnahme wollte der Herrscher die das Volk ständig plagenden Hungersnöte abstellen. Wann und wie die ersten Kartoffeln in die Eifel kamen ist unbekannt. Leider waren die Kartoffeln zunächst nicht willkommen. Nachdem der Anbau und die Zubereitung jedoch erlernt waren, wurde die Kartoffel später zum wichtigsten Nahrungsmittel in unserer Gegend. Entsprechend der Imgenbroicher Gemeindechronik wurden 1840 bereits 274 Morgen Kartoffeln angebaut. Für einen Morgen waren ca. 300 kg Setzkartoffel erforderlich. Eine gute Ernte erbrachte den 8 – 10 fachen Ertrag. Bis nach dem 2. Weltkrieg gab es mehrmals täglich Kartoffeln zu essen. Eingekellert sollen im Mittel pro Person ca. 250 kg üblich gewesen sein. Darüber hinaus stellte man für eine Familie ca. 150 kg Sauerkraut je Jahr her.

In jedem Garten wurde früher Weißkohl angebaut. Das Kraut wurde in großen Tonkrügen oder Holzfässern im Keller aufbewahrt. An Festen gab es dann Sauerkraut mit weißen Bohnen. Weil die Eicherscheider angeblich mehr als die allgemein übliche Menge in den anderen Dörfern verzehrten, soll davon der Spottname Moospängs herrühren. Heute gibt es nur noch wenige Gärten im Dorf. Fast alle Dörfer in unserer Gegend haben einen Spottnamen.

Also erzeugten die Eicherscheider Familien den größten Teil ihrer Lebensmittel selbst durch Getreideanbau, Milch, Hausschlachtungen und Gartenprodukte. Es ist völlig unklar, was die Menschen gegessen haben, als es noch keine Kühe und Kartoffeln gab, vor allem im Winter und ab wann es beispielweise Gemüse und Obst gab. Bis zum 2. Weltkrieg war die Landwirtschaft die Haupteinnahmequelle der hiesigen Dorfbevölkerung. Die letzten Milchkühe Meta u. Herta in Eicherscheid gehörten der Familie Josef und Anneliese Arnolds, Breitestraße 23 (heute Bauernmuseum). Sie wurden im Herbst 2002 verkauft. Damit war die jahrhundertealte traditionsreiche, Milch erzeugende Landwirtschaft in unserem Dorf beendet. Wann die ersten Kühe nach Eicherscheid bzw. in unsere Gegend kamen konnte nicht ermittelt werden.

Hecken u. Wiesen:
Im Laufe vieler Jahre haben die Ackerer Wiesen und eine einmalige Rotbuchen- Heckenlandschaft (ca. 80 Km Feldhecken) mit all ihren Vorteilen in Eicherscheid entstehen lassen. Die hohen Schutzhecken im Ort schützten die Stroh gedeckten Häuser vor den rauen Westwinden aus dem Venn, die Feldhecken sorgten für Brennholz (auch heute noch) und boten dem Vieh auf den Wiesen Schutz. Vor ca. 150 Jahren wurden allmählich die Strohdächer durch die so genannte Eynatter Schottelpanne ersetzt.

Die Talwiesen im Holzbachtal, Brombachtal, Drosselbachtal u. Belgenbachtal mit ihren kleinen Bächen waren früher sehr begehrt. Die Bäche wurden „angezapft“ und das Wasser zur Bewässerung auf die Wiesen (Bönde) verteilt. Das Heumachen war hier besonders schwierig.

Eine lebenswichtige Aufgabe für die Bauern war das Herstellen des Heus für den Winter. Bis etwa 1920 ging der Bauer vor Sonnenaufgang mit der frisch gedengelten Sense zur Wiese, um das noch taufrische Gras zu mähen. Dies war eine anstrengende Tätigkeit. Vielleicht kam der Begriff ein Morgen daher, dass ein guter Mäher bei optimalen Verhältnissen eine Fläche von einem Morgen bis gegen Mittag mähen konnte. Ein Ar =100 Quadratmeter, Ein Morgen = 25 Ar. Das in langen Gassen gemähte Heu wurde zunächst gespreitet, dann mehrmals gewendet, in Gassen gebracht, später auf Heuböcke zum weiteren Trocknen gepackt. Im Laufe der Jahre hat sich die Technik des Heumachens oft verändert. Mit dem Pferdefuhrwerk wurde früher das Heu in die Scheune gebracht. Leider wurde die Heuernte oft durch schlechte Witterungsverhältnisse beeinflusst mit verheerenden Folgen für das Vieh und die Menschen. Weil die kleineren Bauern kein Pferd hatten, waren sie auf einen Fuhrmann angewiesen. Natürlich brachte der Fuhrmann sein Heu zuerst nach Hause und dann erst das Heu seiner Kunden. Dies führte besonders bei schlechter Witterung oft zu Streitigkeiten. Leider konnten die kleinen Bauern den Fuhrmann des öfteren nicht rechtzeitig bezahlen. Heute wird kaum noch Heu der früheren Art hergestellt. Mit den großen Traktoren(von 100 – 250 PS) kann das Gras auf einer Breite von 3 – 6 Meter gemäht u. zur schnelleren Trocknung aufbereitet werden. Nach dem Antrocknen wird es maschinell in viereckige Klötze gepresst. (Abmessungen ca.80 cm x 40 cm x 30 cm, 15 kg schwer). Dieses Heu wird im Wesentlichen für die Pferdehalter hergestellt. Die größte Menge des gemähten und aufbereiteten Grases wird zu Ballen gepresst und luftdicht in Folie eingewickelt (Abmessungen 1,2 m Durchmesser 1,2 m Länge u. ca. 1000 Kg schwer 4 St. Je Hektar). Auch wird das Gras neben den Stallungen verdichtet aufgeschüttet, mit Folien luftdicht abgedeckt und mit Autoreifen beschwert. (Silage)

Bis 1900 wurde in Eicherscheid auch Flachs zur Herstellung von Kleidung angebaut. Gewaschen und getrocknet wurde der Flachs im Holzbachtal.

Die große Anzahl erwähnter Schafherden aus früherer Zeit, lässt die Vermutung zu, dass damals ein Teil der Wolle selbst gesponnen und zu Kleidung verarbeitet wurde. In den Jahren 1816 bis 1825 gingen aufgrund der schlechten Witterung ca. 1200 Schafe in Eicherscheid ein (vermutlich wegen Futtermangel). Im Jahre 1998 zog wieder ein Schäfer mit ca. 1000 Schafen nach Eicherscheid. Ein Teil der Weiden werden nun von seinen Schafen genutzt. Auch „Pensionsrinder“ findet man immer auf den Wiesen. Ebenso gibt es im Dorf eine beachtliche Anzahl Pferde.

Ackerwirtschaft
Aus einer Statistik von 1825 geht hervor, dass in Eicherscheid 349 Morgen Wiesenland, 2531 Morgen Wechsel bzw. Ackerland u. 47 Morgen Gartenland vorhanden waren. Um 1850 begann die Regierung verstärkt auf eine Besserung der Feldgraswirtschaft hin zu wirken. Sie stellte Grassaat und Saathafer zur Verfügung. Hieraus kann man schließen, dass die Viehhaltung neben dem Getreideanbau zugenommen hatte.

Die Ackerwirtschaft ist bis heute fast vollständig verschwunden, etliche Familien betrieben die Landwirtschaft noch einige Zeit als Nebenerwerb. Selbst der Kartoffelanbau nahm ständig ab (nach 1970). Hauptberuflich mit 30 – 40 Kühen betrieb nur noch die Familie Paul und Gertrud Förster auf ihrem ca. 30 Hektar (120 Morgen) umfassenden Hof einen landwirtschaftlichen Betrieb. Dies war der größte Milch erzeugende Betrieb in Eicherscheid. Die Familie hatte auch eine größere Anzahl Hühner. Die Milchwirtschaft gaben sie im Jahre 2000 auf.

Milchwirtschaft und Molkereigenossenschaft:
Im Jahre 1910 wurde in Eicherscheid von 126 Bauern eine Molkereigenossenschaft gegründet und eine eigene Molkerei gebaut. Die Maschinen der Molkerei wurden von einem Dieselmotor angetrieben. Die Kühe wurden damals 3-mal täglich gemolken. Der Milchfuhrmann erhielt für seinen Aufwand von 2-3 Stunden pro Tag 1 Mark. Im Jahre 1914 wurden von der Gemeinde 4 Viehtränken an den Dorfaußenbezirken angelegt. Dies erleichterte die Arbeit der Bauern ebenso, wie 1922 der Anschluss ans Stromnetz.

Im Jahre 1915 erhielten die Bauern für einen Liter Milch 21 Pfennige. (Milchpreis- Erzeuger 2002 ca. 32 Cent bei 3,4- 3,7 % Fettgehalt. Der Milchfuhrmann erhielt pro Tag 2,70 Mark ). Bis zur Evakuierung im Jahre 1944 arbeitete die hiesige Molkerei. Im Jahre 1946 konnte sie wieder funktionstüchtig hergerichtet ihren Betrieb wieder aufnehmen. Weil kein Strom vorhanden war, wurden die Maschinen wie früher mit einem Dieselmotor angetrieben. Ab 1953 musste die Molkerei in Eicherscheid geschlossen werden und die Milch wie vorher nach Imgenbroich zur dortigen Molkerei gebracht werden. Die Milchanlieferung erfolgte zunächst mit dem Pferdefuhrwerk, die später von Traktoren (ca. 1954) ersetzt wurden. Um 1950 gab es 147 Milchviehhalter. In der Hauptsaison (Mai – Juni) waren 4 Pferdefuhrwerke im Einsatz. Ab etwa 1910 übernahmen allmählich Maschinen in der Landwirtschaft die schwere körperliche Arbeit. Zum Einsatz kamen vom Pferd gezogene Mähmaschinen, Heuspreiter, Heuwender u. Heurechen. Ab 1950 wurden die Pferde allmählich von 11–15 PS starken Traktoren ersetzt.

Im Jahre 1794 lebten in Eicherscheid in 123 Haushalten 661 Personen. Sie hatten 764 Schafe, 518 Kühe, Rinder u. Kälber, 63 Schweine, 47 Pferde u. 2 Ochsen.

Die durchgeführten Viehzählungen brachten folgende Ergebnisse:
1817 – 923 Schafe, 454 Milchkühe, 78 Rinder, 23 Kälber, 67 Pferde, Schweine, 32 Bienenvölker u. 3 Stiere.
1827 – 838 Schafe, 623 Rindvieh, 66 Pferde u. 38 Schweine.
1904 – 784 Rindvieh, 336 Schweine, 48 Pferde, 35 Ziegen u. 2 Schafe.
1957 – 930 Stück Rindvieh, davon 484 Milchkühe, 33 Pferde u. 203 Schweine.
1961 – 1075 Stück Rindvieh davon 525 Milchkühe, 26 Pferde u. 8329 Hühner.
1975 – 535 Stück Rindvieh, davon 217 Milchkühe. 1865 Hühner.
Ab 1975 sank der Viehbestand erheblich.
1945/46 begannen die Eicherscheider Bauern mit knapp 40 Kühen den Aufbau ihrer durch den 2. Weltkrieg zerstörten Landwirtschaft.

Im Auftrag der preußischen Regierung untersuchte der Agrarfachmann von Schwertz 1816/ 17 den Rindviehbestand in der Eifel. Er stufte damals die hiesige Rindviehzucht als unbedeutend ein. Eine magere Kuh soll damals 75 bis 100 kg gewogen haben (600 bis 700 kg, 2006). Die Widerristhöhe soll 1,1 m betragen haben (heute ca. 1,5 m). Damals gab eine Kuh nach dem Kalben ca. 5 Liter Milch täglich. Mit Hilfe der preußischen Regierung wurde die Viehzucht in der Eifel merklich verbessert. Um 1830 wog eine Kuh bereits 180 – 220 kg. Um 1930 gab eine Kuh bereits ca. 12 Liter Milch täglich. Später liefert eine Kuh ab der Kalbung ca.10 Monate lang ca.18 Liter Milch täglich, bei einem Fettgehalt von etwa 4% Prozent (2006 bereits über 30 Liter). Das Landesamt für Statistik von NRW aus Düsseldorf teilt 2007 mit, dass die Milchleistung einer Kuh um 194 Liter auf 7173 Liter im Jahre 2006 gestiegen ist.

Um 1830 wurde in Eicherscheid in einer Erbangelegenheit eine schwarze Kuh mit einem Wert von 10 Talern gleich 300 Silbergroschen bewertet. Zur gleichen Zeit erhielt ein Tagelöhner auf Gut Reichenstein als Lohn für einen 12 Stunden- Arbeitstag im Mittel 7 Silbergroschen. In der Regel fand ein Tagelöhner höchstens 6 Monate im Jahr auf Reichenstein Arbeit. Um 1890 kostete eine Kuh bereits ca. 200 Mark gleich 66 Taler. Bei 10 Liter Milch je Tag gab sie in 10 Monaten ca. 3000 Liter Milch. Bei einem Literpreis von 8 Pfennigen musste der Bauer 2500 Liter Milch für eine Kuh abliefern.

Bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts wurde in Eicherscheid die Milch in eigener Regie verarbeitet. Später traten 4 Ackerer mit 16 Kühen der seit 1893 bestehenden Imgenbroicher Molkereigenossenschaft bei. Sie mussten eine hohe Aufnahmegebühr von 100 Mark bezahlen. Bei dem damaligen Milchpreis von 8 Pfennigen mussten 1250 Liter Milch dafür abgeliefert werden. Die Milch musste nun täglich mit dem Pferdefuhrwerk zur Molkerei nach Imgenbroich gebracht werden. Der Zeitaufwand betrug ca. 3 Stunden täglich. Der Fuhrlohn soll eine Mark pro Tag betragen haben. Auf eine Pferdekarre passten ca. 50 Milchkannen von je 20 Liter. D.h. das Pferd musste ein Gewicht ( Milch inkl. Karre ) von ca.1300 kg ziehen. Probleme bedingt durch schlechte Sandstraßen, viel Schnee im Winter und schlechte Kleidung waren vorprogrammiert. Im Winter kamen auch Schlitten zum Einsatz. Die zu transportierende Milchmenge war im Winter erheblich geringer. Jeder erhielt eine bestimmte Menge Magermilch von der Molkerei zurück. Technische Daten zum Schlitten: Länge 2,5m, Breite 1,5m.

Die Kühe wurden früher 3-mal täglich gemolken. Ein guter Melker konnte eine Kuh in 6 Minuten melken. Mit der ab ca. 1950 vorhandenen Melkmaschine war dies in der Hälfte der Zeit zu schaffen. Damit die Kühe sich nicht selbst verletzen wurden ihnen ab 1970 die Hörner entfernt.

Ab ca. 1970 wurden die Kühe künstlich besamt. (Kosten ca. 20 – 30 DM) Vorher wurden in Eicherscheid genossenschaftlich 4 Stiere gehalten. Im Alter von ca. 20 Monaten wird ein Rind erstmals gedeckt. Nach 9 Monaten wird das Kalb geboren. Eine Kuh bekommt im Mittel 5 – 8 Kälber. Das Durchschnittsalter einer Milchkuh beträgt ca. 10 Jahre. Sie braucht etwa 15 kg Heu je Tag, d.h. für die Monate November bis Mai sind 2700 kg erforderlich. Die größte Milchleistung bringt eine Kuh im Mai/Juni. Für eine Kuh sind im Mittel 4 Morgen Weideland nötig. Zur Herstellung von einem Pfund Butter benötigt man 10 – 12 Liter Milch. Aus Preisgründen wird heute meist nur noch Süßrahmbutter hergestellt. Früher wurde nur Sauerrahmbutter hergestellt. Auch schon vor dem 2. Weltkrieg wurden außer Mist geringfügig Thomasschlacke und Kalisalz als Düngemittel eingesetzt.

Agrar-Service
Der technische Ablauf und die Veränderungen zu früher sind kaum vorstellbar. Im Jahre 1893 besaßen die vermutlich 4 größten Ackerer in Eicherscheid je 4 Kühe. In Lammersdorf gab es im Jahre 2006 Bauern mit einem Milchkuhbestand von 80 bzw.ca. 200 Kühen.

Ein im Dorf angesiedeltes Agrar – Service – Unternehmen (Rolf Küpper) mäht mit seinen Großgeräten in ca. 10 Minuten mit einer Geschwindigkeit von 13 – 18 Km / Std. eine Flächen von einem ca. Hektar. Früher hatte jeder größere Bauer alle erforderlichen Gerätschaften selbst. Heute sind die großen teuren Maschinen nicht mehr bezahlbar für den einzelnen Bauern. Das Agrarunternehmen übernimmt alle Aufgaben. Ein Kunde von Rolf Küpper betreibt eine Milchwirtschaft mit 1700 Kühen.

Wappen:
Im Jahre 1961 zeichnete der Lehrer Erich Charlier aus Hammer ein Wappen für Eicherscheid. Das Wappen zeigt eine Eiche auf der Wasserscheide mit kräftigen Wurzeln. Die Wurzeln sollen die Verbundenheit der Bewohner mit der Heimat darstellen. Die beiden Hahmspäne weisen auf ein altes Handwerk in Eicherscheid hin. Der Hammer stellt das Hammerwerk in Hammer dar. Der Name Eicherscheid zeigt auf, dass unser Dorf in einem ehemaligen Eichenwald auf einer Wasserscheide entstanden ist. Es fließen Bäche Richtung Osten, Westen u. Süden. Die heutige Schreibweise Eicherscheid hat sich im Laufe der Jahre entwickelt. Den Namen Scheidt gibt es auch als Familiennamen in unserem Dorf.

Manfred Schreiber, 2008

Quellen:
Archiv Gemeinde Imgenbroich / Simmerath
Ein Eifeldorf erinnert sich, Eremit im Hohen Venn,
Das Monschauer Land , Landwirtschaft u. Kulturlandschaft im 19. Jahrhundert,
Zeitungsartikel, Monschauer Nachrichten,
Leben im Monschauer Land

Mit freundlicher Beratung von:
Maria Hoch, Helga Schreiber, Trude Heiler, Heinrich Scheidt. Helmut und Rolf Küpper.

Viewirtschaft Eicherscheid PDF 1
Viewirtschaft Eicherscheid PDF 2

 


 

 

Weggeworfen: Ein Duo aus „1001 Nacht“

„Wer tut so etwas und wirft eine solch kunstvoll modellierte Arbeit zum Unrat?“ Ungläubige Frage und Kopfschütteln des Eicherscheider „Dorfhandwerkers“ Gustav Schröder. Auf einem Lammersdorfer Spaziergang traute er seinen Augen nicht: da lag eine achtlos weggeworfene Statuette der Gottesmutter mit Kind auf einem Kehrichthaufen.

Ihre 30 Zentimeter große Holzfigur war vom Zahn der Zeit arg zernagt: Die Farben ihres einst prunkvollen Gewandes und der goldenen Krone von Eifelwind und Wetter blass verwaschen. Für ein christliches Votivsymbol ein unwürdiger Ort und Zustand! Eicherscheids Eifelvereins-Tüftler Schröder nahm die Madonnen-Skulptur denn auch prompt mit in seine Werkstatt – und machte sie mit bekannt manuellem Geschick und Engagement wieder ansehnlich und für lange Zeit widerstandsfähig gegen raues Eifelklima.

Ein attraktiver Blickfang für die Passanten im und am „Köstisch Jääßje“, nahe der Pfarrkirche Sankt Lucia. Der 85-jährige Restaurator musste den Holzkörper abschleifen, mit frischem Lack überziehen, auf eine Konsole montieren und fest verankern, schließlich mit widerstandsfähigen Metall–Laschen gegen Rost und Langfinger sichern. Dienstagnachmittag fand Gustav Schröder für sein jüngstes kunstvoll saniertes Werk den gebührenden Standort. Mutter Maria und Jesuskind grüßen nun, verbunden mit einem stattlich 2,50 Meter hohen Kruzifix aus Eiche. Angefügt ist ein Christuskorpus aus Lindenholz.

Dieses Mahnmal des Gekreuzigten hatte Schröder auf Bitten Bruno Wildens, Ordnungsamtsleiter der Gemeinde Simmerath, bereits im Jahre 2006 von Grund auf ausgebessert und den Standort der Gedenkstätte in Paustenbach gegen einen optisch ansehnlicheren im Golddorf getauscht (Kirchweg). Nun entstand ein interessantes Ensemble. Gern wüssten seine Betrachter, woher das Neu–Eescher Figurettenduo stammt; seine Gesichtszüge sind eindeutig asiatisch, die Gewänder der beiden Schnitzkunstwerke scheinen wie in „1001 Nacht“ geschneidert.