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Zur Geschichte Eicherscheid gibt es seit März 2012 einen eigenen Internetauftritt des Arbeitskreises

„Geschichte Eicherscheid“.

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Stolpersteine erinnern an »Koofmännsche«

Gunter Demnig setzt Zeichen gegen das Vergessen

Eicherscheid. »Nirgends wird die Wahrheit derart ehrlich ausgesprochen wie bei der Verlegung von Stolpersteinen.« Hanna Zack Miley hat schon viele Veranstaltungen gegen das Vergessen besucht und ist doch immer wieder. Die Buchautorin ist Jüdin, entfloh Nazi-Deutschland, während ihre Eltern ermordet wurden. Sie war Teil des legendären »Kindertransports«, dem kühnen Unterfangen, das 10.000 jüdische Kinder vor Hitlers Nazi-Regime rettete, indem es ihnen die sichere Fahrt nach England ermöglichte. »Meine Krone in Asche« ist ein Buch über die Kraft der Vergebung und der lange Weg zur persönlichen Heilung.

 Vertreter aus dem Eicherscheider Arbeitskreis Geschichte, den christlichen Kirchen und der Politiker umgarnten Künstler Gunter Demnig nach getaner Arbeit. Gleichsam bewegend wie das Wirken der »Stolpersteine« waren die Ausführungen von Hanna Zack Miley(4.v.r.) - die Buchautorin wurde 1939 mit dem »Kindetransport« aus Nazi-Deutschland gebracht.
Vertreter aus dem Eicherscheider Arbeitskreis Geschichte, den christlichen Kirchen und der
Politiker umgarnten Künstler Gunter Demnig nach getaner Arbeit. Gleichsam bewegend wie
das Wirken der „Stolpersteine“ waren die Ausführungen von Hannah Zack Miley (4. v.r.) , die
die Buchautorin wurde 1939 mit dem „Kindertransport“ aus Nazi-Deutschland gebracht.
 Stolpersteine erinnern an der Eicherscheider Pfarrkirche an „Koofmännsche“ und seine Familie
Fotos: Thomas Förster

Die 85-Jährige, die heute im Phoenix/Arizona, aber auch in Dahlem lebt war unter den vielen Gästen, die einem »wichtigen Moment in der Geschichte Eicherscheids« beiwohnten, wie Hanna Zack Miley es beschreibt. Der Künstler Gunter Demnig war in die Eifel gekommen, um »Stolpersteine« für die wahrscheinlich einzige jüdische Familie aus dem Monschauer Land  zu verlegen, die durch die Gräuel der Nationalsozialisten ihre Heimat verloren.

Integration

»Koofmännsche« nannten die Eicherscheider Kinder in den 1930er Jahren Leo Kaufmann liebevoll. »Er hatte immer ein paar Bonbons dabei«, erinnert sich Alois Nießen. Der heute 90-Jährige ging mit der Tochter der Viehhändler-Familie, Edith Kaufmann, zur Schule. »Die aus Aachen stammende Familie war im Dorf gut integriert, belegen viele Bilder dieser Zeit«, weiß auch Ludwig Siebertz. Er und seine Mitstreiter aus dem »Arbeitskreis Geschichte Eicherscheid« haben das Schicksal der jüdischen Familie aufgespürt.Vereinsmitglied Joachim Gostek hatte dafür akribisch die örtliche Schulchronik durchstöbert und Dinge ans Licht gebracht, »die uns auch über 70 Jahre danach schaudern lassen.«
Den Anstoß dazu gab eine Handvoll Jugendlicher, die mit dem evangelischen Pfarrer Jens-Peter Bentzin Nachforschungen betrieben hatten, wo Juden in der Eifel gelebt haben und was aus ihnen während des Nazi-Regimes geworden ist. »Es waren bewegende Erlebnisse, als wir uns auf die Spuren der Kaufmanns begaben und die Jugendlichen verstanden, was ihnen angetan worden war«, erklärt Bentzin.

Hetzparolen

»Unser Lehrer war ein Sadist«, hat Alois Nießen die Schuljahre vor dem Zweiten Weltkrieg nie vergessen. »Auf dem Weg zum Sport mussten wir am Haus der Familie Kaufmann vorbei marschieren und antisemitische Gesänge anstimmen«, erklärt der damals Elfjährige. Sonntags seien dann Mitglieder der NSDAP aufmarschiert und hätten ihre Antipati zum Ausdruck gebracht. »Beim Juden könnt ihr ruhig die Scheiben einschlagen, da passiert euch nichts«, habe Lehrer Hermann Althoff unverfroren die Kinder im Ort zu Gewalt aufgerufen.
Nach schwierigen und unerträglichen Jahren im Ort wurde Leo Kaufmann schließlich am 10. November 1938 – dem Tag nach der Reichsprogromnacht – verhaftet und zur Zwangsarbeit ins Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht. »Am nächsten Morgen fand ich Glassplitter und kaputte Möbel auf der Straße vor dem Haus der Kaufmanns. Das Gebäude selbst war mit Hakenkreuzen beschmiert«, berichtet Alois Nießen.

Flucht

Als Kriegsversehrter des ersten Weltkrieges wurde Kaufmann nach sechs Wochen freigelassen – mit seiner Familie gelang ihm Anfang 1939 die Flucht ins nahe Belgien. Nach der deutschen Besatzung Belgiens überlebte die Familie den Zweiten Weltkrieg mit gefälschten Papieren. Nach Kriegsende kehrte Leo Kaufmann 1949 für wenige Monate nach Eicherscheid zurück, während seine Frau und Tochter in der Zeit in Mützenich wohnten. »Ich habe Leo Kaufmann auf seinem Weg nach Eicherscheid mit dem Mofa aufgegabelt«, weiß Alois Nießen. Das sei nur möglich gewesen, da sich sein Vater, der erste frei gewählte Bürgermeister Eicherscheids nach dem Zweiten Weltkrieg, immer loyal den Kaufmanns gegenüber gezeigt hatte.

Mahnmal

»Auch nach dem Krieg hatte er nicht vergessen, wer im Ort für die Gräuel mit verantwortlich gewesen war«, mutmaßt der Zeitzeuge. Kurze Zeit später emigrierte die Familie in die USA.
»In Zeiten, wo Fremdenhass wieder an Popularität gewinnt, sind diese Stolpersteine ein ganz wichtiges Zeichen der Menschlichkeit«, unterstreicht Eicherscheids Ortsvorsteher Günter Scheidt. Auch er habe erst durch die Nachforschungen des Geschichtskreises vom Schicksal der Kaufmanns erfahren.
»Ich danke den Eicherscheidern, dass sie den Mut bewiesen haben, diesem negativen Teil ihrer Geschichte einen Platz einzuräumen«, erklärte Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns. »Schon in wenigen Jahren wird es keine Zeitzeugen mehr geben – aber diese Stolpersteine wirken nach.«
Gezielt wurden sie zwar nahe dem ehemaligen Wohnhaus der Kaufmanns verlegt, aber doch auf dem Parkplatz der Pfarrkirche. »Dieses Mahnmal gehört auf einen öffentlichen Platz«, waren sich Ortsvorsteher Scheidt und die im Ortskartell zusammen geschlossenen Dorfvereine einig, die das Unterfangen finanzieren.

Gedenken

Der Kölner Bildhauer Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir verlegt. Inzwischen liegen »Stolpersteine« in über 1100 Orten Deutschlands und in 20 Ländern Europas.

Monschauer Wochenspiegel 17.05.2017

Drei Pflastersteine als ständige Mahnung

Der Künstler Gunter Demnig verlegt Stolpersteine zur Erinnerung an das Schicksal einer jüdischen Familie in Eicherscheid

Eicherscheid. „Auch als Kinder spürten wir innerlich, dass der Judenhass falsch ist“, erzählt Alois Nießen aus Eicherscheid. Der heute 90-Jährige war elf Jahre alt, als in der „Reichspogromnacht“ vom 9. auf den 10. November 1938 vom Nazi-Regime organisierte Gewaltmaßnahmen gegen Juden im gesamten Deutschen Reich verübt wurden. Damals traf es auch das Haus einer dreiköpfigen jüdischen Familie, die in Eicherscheid lebte.

Fast 80 Jahre später wurde am Mittwoch die Zeit der Judenverfolgung für den Zeitzeugen Alois Nießen und rund 50 weitere Gäste noch einmal gegenwärtig, als gegenüber dem Wohnhaus der jüdischen Familie Kaufmann am Kirchplatz drei Stolpersteine verlegt wurden, die nun als Mahnmal ständig an das Schicksal der damals einzigen jüdischen Familie im Landkreis Monschau überhaupt erinnern sollen.

Auch in Eicherscheid wurde der Kölner Künstler Gunter Demnig aktiv. Seit 20 Jahren verlegt er die Beton-Pflastersteine mit Messingtafeln mit den eingravierten Namen von Naziopfern, die umkamen oder deportiert wurden. Das Projekt ist im April 2017 auf fast 61 000 verlegte Steine in 1100 Orten in Europa gewachsen.

Zeitzeuge erinnert sich

„Keiner traute sich, etwas zu sagen“, erinnert sich Alois Nießen an die Zeit der Judenverfolgung. „Vor dem Haus der Familie Kaufmann marschierte jeden Sonntagmorgen die Partei mit Hitlergruß und Gesang auf“, erinnert er sich.

Dass jetzt für Leo und Helene Kaufmann sowie deren Tochter Edith drei dieser Steine gegenüber dem Hauseingang verlegt wurden, ist einer gemeinsamen Initiative des Eicherscheider Ortskartells, des Arbeitskreises Geschichte und der evangelischen Kirchengemeinde Monschauer Land zu verdanken.

Es war ein langer Weg bis zur Umsetzung, und der Weg wurde am Mittwoch noch ein wenig länger, weil Gunter Demnig, der die Steine stets selbst verlegt, das Eifeldörfchen Eicherscheid bei Bad Münstereifel angesteuert hatte. Erst 75 Minuten später als geplant waren somit die Steine im Eicherscheider Pflaster versenkt – in jenem Bereich natürlich, der nicht zur in Kürze bevorstehenden Erneuerung ansteht. Demnig fuhr mit seinem Transporter vor, brach das Pflaster auf, verlegte wortlos und routiniert die drei glänzenden Objekte und verabschiedete sich von den Organisatoren. Wegen der kleinen Irrfahrt drängte die Zeit, denn die nächste Verlegung an diesem Tag an der luxemburgischen Grenze stand noch an.

Die Zeit bis zum Eintreffen Demnigs war aber mindestens so spannend wie die Verlegung selbst. Ludwig Siebertz, Geschäftsführer des Ortskartells Eicherscheid und Aktivposten im Arbeitskreis Geschichte, hatte so die Gelegenheit, auf die Idee der Eicherscheider Stolpersteine und das Schicksal der Familie Kaufmann und deren Beziehung zu Eicherscheid noch einmal detailliert einzugehen. Siebertz freute sich, dass es gelungen ist, das Projekt gemeinsam mit der evangelischen Kirche umzusetzen, die sich auch zur Hälfte an den Kosten beteiligt habe. Eingeladen war auch eine Gruppe der Förderschule Eicherscheid, wo das Thema Judenverfolgung aktuell in einem ökumenischen Arbeitskreis zur Sprache kam.

Ortsvorsteher Günter Scheidt bekannte, dass er erst durch die Aktivitäten des Arbeitskreises Gesichte vom Schicksal der Familie Kaufmann, die nach dem Erlass der Nürnberger Rassengesetze im Ort verstärkt Verleumdung und Hetze ausgesetzt war, erfahren habe. Um so wichtiger sei es, dass mit den Stolpersteinen, die bewusst im öffentlichen Raum ihren Platz finden sollten, nun ein Zeichen „gegen Gewalt und für Menschenrechte“ gesetzt werde.

Der evangelische Pfarrer Jens-Peter Bentzin, der einen Text aus dem jüdischen Gebetbuch verlas, rief auch die aus einem Jugendgottesdienst im Jahr 2013 entstandene Initiative in Erinnerung, die Verlegung von Stolpersteinen in Eicherscheid anzuregen.

Es sei eine richtige Entscheidung, die Stolpersteine auf einem öffentlichen Platz zu verlegen, betonte Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns. So sei das Mahnmal ein öffentliches Bekenntnis, dass man sich erinnern solle und nicht vergessen dürfe.

Bewegende Worte sprach Hanna Zack Miley. Die Buchautorin überlebte die Nazizeit in Deutschland, weil sie an Bord des „Kindertransports“ im Jahre 1939 ins Ausland geschickt wurde. Ihre Eltern blieben zurück und wurden von den Nazis ermordet. Aus ihren Erinnerungen verfasste sie das Buch „Meine Krone in Asche“. Die 77-Jährige sprach von einem „bedeutenden Tag“ für Eicherscheid. Sie sei schon bei vielen Stolperstein-Verlegungen gewesen: „Nirgendwo sonst kommt so viel Wahrheit ans Licht“, hielt sie fest.

„Nirgendwo sonst als bei Stolperstein-Verlegungen kommt soviel Wahrheit ans Licht.“

Hanna Zack Miley, Buchautorin

Ein langer Weg zu den Stolpersteinen in Eicherscheid

Dorf erinnert an das Schicksal einer jüdischen Familie. Auch die Jugend der evangelischen Kirchengemeinde engagierte sich.

Eicherscheid. Ein sichtbares Zeichen gegen das Vergessen soll am kommenden Mittwoch in Eicherscheid gesetzt werden. Dann werden auf dem Kirchweg gegenüber der Pfarrkirche drei Stolpersteine ins Straßenpflaster verlegt. Sie sollen an das Schicksal der jüdischen Familie Kaufmann erinnern, die fast 18 Jahre in Eicherscheid lebte und lange Zeit unter Verfolgung des Nazi-Regimes zu leiden hatte (wir berichteten).

Ortskartell Eicherscheid, der Arbeitskreis Geschichte Eicherscheid sowie die politisch Verantwortlichen haben beschlossen, am damaligen Wohnort drei Stolpersteine gemeinsam mit dem bundesweit bekannten Künstler Gunter Demnig, Urheber der Aktion sowie Gründer der gleichnamigen Stiftung, zu verlegen. Demnig möchte an die Opfer der NS-Zeit erinnern, indem er vor deren letztem selbst gewählten Wohnort pflasterstein-große Gedenktafeln aus Messing in den Gehweg einlässt. Inzwischen liegen in 1099 Orten Deutschlands und in 20 Ländern Europas solche Stolpersteine.

Es war ein langer Weg bis zu den Stolpersteinen in Eicherscheid. Umso erfreuter hat deshalb auch die evangelische Kirchengemeinde Monschauer Land zur Kenntnis genommen, dass die Idee nun umgesetzt wird. Denn das Schicksal der Eicherscheider Familie Kaufmann beschäftigte bereits vor vielen Jahren auch eine engagierte Jugendgruppe der evangelischen Kirchengemeinde, die Anfang November 2013 in der Pfarrkirche Roetgen anlässlich des 75. Jahrestages der Reichsprogromnacht im Rahmen der Kampagne „Erinnern, Erkennen, Engagieren“ einen Gottesdienst unter der Leitung von Pfarrer Jens-Peter Bentzin gestaltete. In diesem Gottesdienst wurde auf bewegende Weise an die Judenverfolgung in der Nazizeit erinnert. Auch das Schicksal der Familie Kaufmann wurde dabei thematisiert. Detailliert hatten die Jugendlichen recherchiert, welchen Repressalien die dreiköpfige Familie, die damals einzigen jüdischen Bewohner im Landkreis Monschau, ausgesetzt war. Auch in Eicherscheid selbst versuchten die Jugendlichen in Gesprächen mit Zeitzeugen herauszufinden, wie die Menschen damals der jüdischen Familie begegneten.

Zu Gast beim Arbeitskreis

Die Gruppe stellte eine Präsentation zusammen und regte an, mit Hilfe der evangelischen Kirchengemeinde die Verlegung von drei Stolpersteinen vor dem Haus der Familie auf den Weg zu bringen. Das Presbyterium griff diesen Vorschlag wenige Tage später auf und beschloss am 11. November 2013, sich an die Gemeinde Simmerath, den Eicherscheider Ortsvorsteher, den Geschichtsvereins des Monschauer Landes und weitere Interessierte zu wenden, mit dem Ziel, dass die Stolpersteine verlegt werden.

Einen Monat nach dem Gottesdienst stellten die Jugendlichen ihre Idee dem Arbeitskreis Geschichte Eicherscheid bei einer Sitzung vor. Nele Urmes und Laurin Melms, die damals zum Team der Verantwortlichen gehörten, wollen sich jetzt anlässlich des Verlegungstermin für die Stolpersteine noch einmal in die Thematik einbringen. Als man damals den Vorschlag in Eicherscheid eingebracht habe, habe man den Eindruck mitgenommen, dass noch eine „gewisse Reserviertheit“ bestehe, aber grundsätzlich sei die Idee im Arbeitskreis positiv aufgenommen worden.

Ludwig Siebertz vom Arbeitskreis Geschichte Eicherscheid bestätigt, dass es seinerzeit mehrere Kontaktgespräche mit der evangelischen Kirchengemeinde gegeben habe, wobei das Thema Stolpersteine im Arbeitskreis bereits im Jahr 2011 erstmals auf der Tagesordnung gestanden habe.

In den zurückliegenden anderthalb Jahren aber habe es keinen Kontakt mehr mit der Kirchengemeinde gegeben.

Einen kleinen Missklang gab es dann im Januar 2017 als alle Beteiligten sich bei einem Ortstermin in Eicherscheid über die genaue Platzierung der Stolpersteine verständigen wollten. Die evangelische Kirchengemeinde konnte sich mit ihrem Wunsch nicht durchsetzen, die Steine unmittelbar vor dem ehemaligen Wohnhaus der Kaufmanns zu verlegen.

Das Engagement würdigen

Ein Vertreter der evangelischen Kirchengemeinde wird der Stolperstein-Verlegung am Mittwoch, 10. Mai um 10.30 Uhr, beiwohnen, und der Arbeitskreis Geschichte Eicherscheid will auch den Beitrag der Jugendlichen würdigen.

Für den evangelischen Pfarrer Volker Böhm, der momentan ein Sabbatjahr absolviert, ist es wichtig, dass auch das Engagement der Jugendlichen Erwähnung im Stolperstein-Projekt findet. Entscheidend sei aber, dass die Idee nun umgesetzt werde, und die Erinnerung an das Schicksal der jüdischen Familie damit wach gehalten werde.

Die Verlegung der Stolpersteine findet in Anwesenheit des Kölner Künstlers Gunter Demnig statt. Eingeladen wurde vom Arbeitskreis Geschichte Eicherscheid auch Hanna Zack Miley. Die heute 77-jährige Buchautorin überlebte die Nazizeit in Deutschland, weil sie an Bord des berühmten „Kindertransports“ im Jahre 1939 ins Ausland geschickt wurde. Ihre Eltern blieben zurück und wurden von den Nazis ermordet. (P. St.)

Zunächst integriert, dann folgten die Schikanen

Seit dem Jahr 1922 bis zum Beginn des 2. Weltkrieges im Jahr 1939 lebte die Familie Kaufmann in Eicherscheid. Zu ihr gehörten Leo und Helene Kaufmann sowie die Tochter Edith. Die Familie Kaufmann hatte 1922 vom damaligen Bäcker und Gastwirt Junkersdorff in der Dorfmitte Eicherscheids gegenüber der Kirche ein Haus mit Gaststätte gekauft und diese Gastronomie auch weitergeführt.

Gleichzeitig betrieb Leo Kaufmann eine Landwirtschaft sowie einen Viehhandel. Die Kaufmanns waren zunächst über einige Jahre im Eicherscheider Dorf- und Vereinsleben voll integriert. Dies änderte sich jedoch schlagartig nach der Machtübernahme der Nazis im Jahr 1933. Die Schikanen im Ort, eingeworfene Glasscheiben, Hakenkreuz-Schmierereien am Haus, antisemitische Gesänge vor den Fenstern sowie die Hetze in der hiesigen Presse wurden zusehends größer. Es gab aber in dieser Zeit auch noch Unterstützung aus der Eicherscheider Bevölkerung. Die Diffamierungen und Verunglimpfungen führten 1938 schließlich zum Ruin der Familie Kaufmann. Am 10. November 1938 wurde Kaufmann verhaftet. Er musste unterschreiben, Deutschland ohne Mitnahme von Vermögenswerten unverzüglich zu verlassen. Der Familie gelang dann Anfang 1939 die Flucht über die nahe belgische Grenze; sie tauchte in Brüssel unter.

Nach Kriegsende kehrte Leo Kaufmann 1949 alleine über wenige Monate nach Eicherscheid zurück, während seine Frau und Tochter in der Zeit in Mützenich wohnten. Wenig später emigrierte die Familie in die USA.

Als die Fronrather Eicherscheider wurden

Arbeitskreis Geschichte Eicherscheid erinnert auf einer Infotafel an die geschichtsträchtige Vergangenheit der Siedlung Am Gericht

Eicherscheid/Am Gericht. Für die Eicherscheider führen alle Wege übers „Gericht“ in ihren Heimatort, sieht man einmal von der weitaus unbequemeren Anfahrt durch das Rurtal ab. Die kleine Siedlung, die man heute aus der Sicht des vorbeieilendes Autofahrers in erster Linie nur als Ampelkreuzung wahrnimmt, hat für die Entwicklung Eicherscheids allerdings eine nicht zu unterschätzende historische Bedeutung.

Dem Stellenwert der heutigen kleinen Häuseransammlung hat nun der Arbeitskreis Geschichte Eicherscheid Rechnung getragen, indem er am Rande des Pendlerparkplatzes eine großformatige Infotafel errichtete, die einmal an die Siedlung „Am Gericht“ mit ihrer geschichtsträchtigen Vergangenheit erinnert und zum anderen an die Ortschaft Fronrath, die einst Am Gericht lag, ehe die Bewohner den Platz verließen und nach Eicherscheid umsiedelten. An Fronrath (in alten Schriften auch als Vroenrot oder Froen-Rode) bezeichnet, erinnert in Eicherscheid heute noch die Fronrather Straße.

 Foto Am gericht 1

Wissenslücke schließen

Bei eisiger Kälte begrüßte Ludwig Siebertz vom Arbeitskreis Gesichte Eicherscheid an der neuen Infotafel eine Vielzahl von Mitstreitern, aber auch eine Abordnung der Arbeitsgemeinschaft der Heimat- und Geschichtsvereine im Monschauer Land. Siebertz erinnerte daran, dass vor fast 600 Jahren die Eicherscheider Vorfahren noch Am Gericht lebten: „Fronrath ist nichts anders als Alt-Eicherscheid“, brachte es Siebertz auf den Punkt. Mit der Infotafel habe man eine Wissenslücke schließen und auf die Bedeutung Fronraths für den Ort Eicherscheid hinweisen wollen.

Für diese Initiative dankte auch Eicherscheids Ortsvorsteher Günter Scheidt dem Arbeitskreis, der durch seine vielfältigen Aktivitäten einen wichtigen Beitrag für das Geschichtsbewusstsein im Ort leiste.

Die ansprechend gestaltete Tafel gibt Auskunft über die Geschichte von Fronrath und der Siedlung Am Gericht. So wird in einem Tauschvertrag aus dem Jahr 1361 auch „Vroenrot“, der Ort der Eicherscheider Vorfahren genannt. Späteren Unterlagen ist zu entnehmen, dass die Fronrather um 1400 bis 1420 nach Eicherscheid, das damals etwa 15 Feuerstätten besaß, umsiedelten. Die damaligen Bewohner „Vroenrots“ haben den in der Nähe liegenden Busch gerodet und den Ort „Eytscheit“ neu gegründet. Die Gründe für die Umsiedlung sind nirgendwo dokumentiert. Vermutet werden häufige Plünderungen und Brandschatzungen, weil die Siedlung in der Nähe des damaligen Karrenwegs zwischen Imgenbroich und Kesternich lag. Auch Hausbrände könnten eine Ursache gewesen ein.

Als „Ort mit geschichtsträchtiger Vergangenheit“ wird die Siedlung Am Gericht auf der Infotafel bezeichnet, die ihre Bezeichnung nicht ohne Grund hat. In früheren Jahrhunderten hatte jedes eigenständige Gebiet seine eigenständige Gerichtsbarkeit und auch seinen eigenen Richtplatz. Verhängte Todesstrafen wurden meist an einem Galgen vollstreckt. Der Gerichtsplatz mit Galgen für das Monschauer Land befand sich in der Nähe der längst nicht mehr existierenden Siedlung „Vroenrot“, der heutigen Siedlung Am Gericht. Dokumentiert ist die Hinrichtung eines Opferstockdiebes am 19. November 1633 durch den Henker aus Jülich. Zu weiteren Vollstreckungen liegen keine Dokumente vor.

Ab 1742 wurden auf Anordnung des Jülicher Kurfürsten generell keine Todesurteile mehr vollstreckt. Während der französischen Besatzungszeit wurde der Galgen im Jahr 1795 auf Anordnung der Behörden entfernt.

An zukünftigen Aufgaben wird es dem Arbeitskreis Geschichte Eicherscheid bestimmt nicht mangeln. Die wohl bislang umfangreichste Aufgabe steht dem im Frühjahr 2012 gegründeten Kreis in drei Jahren bevor: Dann feiert der Ort Eicherscheid sein 600-jähriges Bestehen.

Richtplatz wurde öffentlich verkauft

Nachdem die Bewohner von „Vroenrot“ Anfang des 15. Jahrhunderts ihre Siedlung Am Gericht aufgegeben und sich in Eytscheit (Eicherscheid) niedergelassen hatten, war das Gebiet um die heutige Siedlung „Am Gericht“ über einige Jahrhunderte menschenleer. Erst 1828 beschloss der damalige Kreistag von Montjoie den seit längerem ungenutzten Richtplatz öffentlich zu verkaufen. Das Grundstück wurde im gleichen Jahr von Hubert Schnitzler und Ehefrau Elisabeth, geb. Claeßens, aus Eicherscheid ersteigert. Anschließend wechselte das Grundstück mehrmals den Besitzer. 1838 wurde Am Gericht das erste Haus mit Gaststätte von Peter Braun und Gertrud Löhrer errichtet. Zwei weitere Wohngebäude entstanden 1858 und 1884 . Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden die ersten Häuser in Richtung Eicherscheid.

„Fronrath ist nichts anders als Alt-Eicherscheid.“

Ludwig Siebertz, Arbeitskreis Geschichte Eicherscheid

 

Auf der Spur menschlicher Schicksale

Trude Heiler aus Eicherscheid erforscht Eifeler Familiengeschichten. Dabei entdeckt sie immer wieder kuriose Dinge.

Eicherscheid. Nicht–Eifeler Ohren kommen solche Alltagsbegriffe für „den eingeweihten Nachbarn von nebenan“ spanisch vor: „Bäckermathes“, „Meartches Crines“ oder „Schmettepäulsjes“. Diese und unzählige andere, fremdsprachig anmutende Wortgebilde zur eindeutigen Personenbeschreibung haben durchaus im täglichen Sprachgebrauch zwischen Aachens Südregion und Trier ihren praktischen Sinn und lange Tradition. Sie werden von zahlreichen Bewohnern der Nordeifel auch heute noch im ständigen Dialog miteinander und durch intensives Blättern im „Wörterbuch“ der Synonyme und ureigenen Mundart erschlossen, gebraucht und im Sinne praktischer Verständigung einheimischer Gesprächspartner munter angewandt.

Es handelt sich um alte, über Generationen hinweg vererbte Familiennamen, keineswegs jedoch Spitznamen oder gar spöttisch-verunglimpfende Rufbezeichnungen. Fragt der Gast aus „hochdeutschen“ Landen etwa in einem Dorf des Monschauer Landes nach der Adresse einer Familie Huppertz, so scheitert sein direkter und kurzfristiger „Blitzbesuch“ womöglich erst einmal an der Gegenfrage: „Welche unserer sieben Huppertze im Ort hätten Sie denn gern?“ Hätte der fremde Besucher aber konkret nach „Pettich“ gefragt: Bingo! Es wäre nur ein einziger Haushalt namens Huppertz in Frage gekommen und somit jedes Missverständnis früh ausgeschlossen worden.

Angesichts vielfacher Namensgleichheit, wie sie in manchen Eifeldörfern seit Generationen gang und gäbe ist, helfen sich die Einheimischen seit Urgroßmutters Tagen mit kommunikativen Zusätzen in Platt. Etwa mit Hinweisen auf Enkel übertragene, einprägsame und charakteristische Rufnamen des Großvaters („a Lange“), oder auf Berufsstände der Vorfahren („Uhrmächich“, „Köstech“, „a Poste“). Zudem geben Zusätze im Nu Informationen zur Herkunft und Wurzeln der betroffenen Personen preis (beispielsweise aus anderen Orten zugezogen, „van Öpe“). Andere typisierende Wesenseigenarten der Ahnen oder verbriefte Flurnamen, Gemarkungen von Ländereien und Wohnhaus–Standorten einst und jetzt geben ihrerseits beredt Auskunft über ihre und ihrer Altvorderen Broterwerb und Lebenslinien im Dorf („van Möllich“, „Pitterche vom Ferkeshöffje“).

Die Ur-Eicherscheiderin Trude Heiler hat sich seit ihrer Jugend mit Nordeifeler Heimatgeschichte befasst: „Ich habe meinen Vater Martin schon als Kind mit Fragen gelöchert“, sagt sie. Heute ist sie 86 Jahre – und kein bisschen müde zu recherchieren, wie es in ihrem Heimatort einst war. Mit Unterstützung ihres fast gleichaltrigen Ehemannes Theo hat Trude im Laufe von Jahrzehnten ein Archiv aufgebaut, das von gleichinteressierten Amateurhistorikern oft und gern als ergiebige Fundgrube durchstöbert wird. Ein wahres Fass voller Wissen, ein Schatz und Spiegel kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Nordeifeler Lebens aus längst vergangenen Tagen, die aber gottlob dank Menschen wie Trude Heiler auch den Bürgern des Computerzeitalters stets gegenwärtig bleiben: „Ich habe Familienchroniken aus Eicherscheid und Umgebung ab dem Jahre 1600 bis 1912 erstellt“, sagt die in ihrem „Hauptberuf“ erfolgreiche Schneiderin. Sie hat für ihre g esammelten Ermittlungen „ganze Standesämter“ und Kirchenbücher durchforstet und wurde fündig. „Dem früheren Dechant Heribert Lennartz verdanke ich wertvolles Quellenmaterial“, erklärt sie.

Wie Hausnamen in Eicherscheid entstanden, fand die Forscherin heraus, und zwar „in der Regel in enger Verbindung mit Vornamen der Haushaltsvorstände, oder sie deuten auf den Arbeitserwerb des Namensträgers hin“. Trude Heiler kann die Saga ihres Familienverbundes Arnold, „Aretz“, Matthias–Willem Offermann („Maswellemches“) bis Anno 1733 zurückverfolgen.

Viele Dokumente übertrug Trude Heiler per Hand vom Originalschriftstück in ihre Folianten: „Es gab anfangs ja noch keinen Fotokopierer, manchmal saß und schrieb ich nachts bis in den frühen Morgen.“ Sie fand heraus, dass die Schriftstücke und Datensammlungen in Eicherscheid tadellos in Schuss waren. Sie hatten die Weltkriege heil überstanden. Andere Orte und Kirchengemeinden hatten weniger Glück. Das Imgenbroicher Gotteshaus beispielsweise brannte ab.

Trude Heiler befragte die Bewohner mehrerer Nordeifeldörfer, sammelte wichtige Daten, immer auf den Spuren menschlicher Schicksale. „Ich schrieb immer“, kennt die umtriebige Eifelchronistin ihr lebenslanges Hobby, besser: Passion, nicht anders. Bei ihrer zeitraubenden Arbeit stieß die akribische Forscherin auch auf Kurioses: „Manche Familien, absolut ein – und dieselben Leute, nannten sich in einem Schreiben Jansen, im nächsten Dokument Claßen“, erzählt Trude Heiler. Sie stieß beim Schmökern in oft vergilbten Blättern und Aufzeichnungen so manches zum schmunzeln. So erfuhr sie Interna über „Beukecrines“, den heulenden Quirinus, der nahe am Wasser gebaut hatte, oder die Eifeler Originale Anton („Tünches“), „Paulusje“ oder den Wirt Martin „Martinches“. Trude Heiler aber ist noch lange nicht „ausgeschrieben“. Im demnächst erscheinenden Eifel–Jahrbuch ist die Autorin wieder mit einem Beitrag vertreten. Und der handelt, wie anders könnte es sein, von Eifeler Familien.(M. S.) „Manche Familien, absolut ein – und dieselben Leute, nannten sich in einem Schreiben Jansen, im nächsten Dokument Claßen.“

Trude Heiler, Heimatforscherin

Trude Heiler

Aus der Geschichte von Eicherscheid

von Ulrich Förster (Quelle: Heimatkalender 1964)

Der Name Eicherscheid wird nachweisbar erstmalig 1306 erwähnt. In diesem Jahr wurde zwischen den Herren Reinhard von Schönforst-Monschau und Gerhard von Jülich eine Vereinbarung über die Mühle von „Eygenscheyt“ getroffen. Hierbei hat es sich um eine im Belgenbachtal gelegene Mühle gehandelt. Der bereits damals bestehende Name bedeutet natürlich nicht, das zu diesem Zeitpunkt schon eine Ortschaft gleichen Namens existiert haben muss. Wahrscheinlich trug nur der Bergrücken, auf dem das jetzige Eicherscheid liegt, diese Bezeichnung. Es gibt ja auch jetzt noch Fluren in der näheren und weiteren Umgebung, die einen ähnlichen Namen tragen, z. B. Langerscheid, Hollerscheid usw.

1473 erst wieder wird Eicherscheid nachweislich erwähnt und zwar als „Eysscheit“. Im Laufe des 16. Jahrhunderts bildet sich dann langsam der jetzige Ortsname heraus. Die genaue Gründungszeit und auch die Ursache liegen noch im Dunkeln. Man ist hier mehr oder weniger auf Vermutungen angewiesen, die sich jedoch begründen lassen. So weiß die Überlieferung zu berichten, der Ort habe früher an der Heerstraße Simmerath-Monschau gelegen und sei bei kriegerischen Wirren durch Soldaten zerstört worden. Auch der ungefähre Zeitpunkt lässt sich nicht mehr feststellen, da hierüber die Angaben weit auseinander gehen. Sogar der 30-jährige Krieg wird als Gründungszeit angeführt.

Nun existieren aber noch Angaben aus dem Jahre 1550, in denen der damals 80-jährige „Hens uff Taelscheit“ in einem Verhör erklärt, er habe von seinen Eltern erfahren, dass das Dorf Eicherscheid zu „Froen-Rode“ gelegen habe und zwar in der Nähe des Gerichtes. Man habe einen Bend den Herren gegeben und diese hätten ihnen erlaubt, in den „Busch“ zu bauen. Bekanntlich besteht auch jetzt noch am Schnittpunkt der Straßen Konzen-Eicherscheid und Imgenbroich-Simmerath der Ortsteil „Am Gericht“.

Bis 1795 hat hier sogar noch ein Galgen gestanden. Auch die Bezeichnung „Herrenbend“ ist als Flurname östlich des Schweizerhofes erhalten geblieben. Ferner ist erwähnenswert, dass in der Gemarkung „Mergenbur“ – unmittelbar am Herrenbend gelegen – sich bis vor einigen Jahrzehnten ein gegrabener Brunnen sowie Mauerreste erhalten haben, die mittlerweile völlig verfallen sind. Alles dies deutet wohl daraufhin, dass sich der Ort Fronrath in diesem Gebiet befunden haben muss.

Nach den Aussagen des „Rens uff Titelscheit“ zu urteilen, müsste Eicherscheid zum Anfang des 15. Jahrhunderts gegründet worden sein und sich verhältnismäßig rasch ausgedehnt haben. Um 1550 werden jedenfalls über 50 „Feuerstätten“ genannt.

Der Volksmund berichtet ja davon. dass Fronrath durch einen Krieg zerstört worden sei. Nun hat im Jahre 1400 zwischen dem Fürstabt von Stavelot-Malmedy und den Monschauer Burgherren tatsächlich eine harte kriegerische Auseinandersetzung in der Nähe Konzens stattgefunden, bei der die Mannen des Fürstabtes eine schwere Niederlage erlitten. Es ist nun durchaus möglich gewesen, dass bei dieser Gelegenheit das Dorf Fronrath von marodierenden Landsknechten gebrandschatzt worden ist. Jedenfalls wird seit diesem Zeitpunkt Fronrath urkundlich nicht mehr erwähnt, obwohl 1334, 1361 und 1369 dieses Dorf noch verschiedentlich genannt wird.

Der Name des Ortes hat sich auch nicht für die Gemarkung erhalten, obwohl gerade Orts- und Flurbezeichnungen, mit denen sich ein bedeutendes Ereignis verbindet, besonders lange halten. Vielleicht sind auch auf dieses Dorf die besonders weit im Konzener Gebiet reichenden Eicherscheider Grundstücke zurückzuführen.

Diese Landnahme hat wahrscheinlich auch das etwas regellose Eicherscheider Ortsbild geprägt. Vermutlich hatte damals dort jeder gebaut, wo es ihm gefiel. Auch dürfte die Wasserfrage eine Rolle gespielt haben. Denn die ältesten Häuser des Ortes – leider im letzten Krieg fast alle zerstört – lagen in der Mehrzahl an natürlichen Quellen. Wahrscheinlich wurden dann erst später kreuz und quer Wege angelegt, die die einzelnen, auseinander liegenden Siedlungsstellen verbanden und beiderseits des Wege noch viel Land als Gemeindeland übrig ließen. Alte Katasterakten lassen noch deutlich den ursprünglicher Zustand ahnen. So reichte z. B. der freie Platz im Dorf, „Et Feield“, vor 150 Jahren noch ca. 200 m weiter in Richtung Hammer.

Ein Markstein in der Geschichte des Ortes ist der Bau der Kirche, die im September 1685 eingeweiht wurde Sehr anschaulich schildert Pfarrer Janssen – früher Imgenbroich – im „Eremiten“ den Kampf und die Mühen der Eicherscheider um ihr eigenes Gotteshaus. Bis dahin mussten sie und die Leute von Hammer in Wind um Wetter nach Konzen zur Kirche. Dorthin führt der jetzt noch als „Kirchweg“ bezeichnete Feldweg über der Heppenbüchel.

Der Hauptgegner in dieser Auseinandersetzung war das Aachener Kapitel weil es eine Einbuße des Zehnten durch die Neugründung und weitere Unterhaltung der Kirche befürchtete Dieser Streit zwischen Kapitel einerseits und Prämonstratensern bzw. Eicherscheidern andererseits zog sich jahrelang hin. Erst im Jahre 1714 wurde eine Einigung erzielt und die Errichtung der Pfarre genehmigt Diese Kirche wurde dann in der nachfolgenden Zeit vergrößert und 1933 neu erbaut. Die schwersten Schäden – genau wie das Dorf selbst – trug sie im letzten Krieg davon. Aber diese sind auch längst wieder behoben und in unserer schnelllebigen Zeit schon fast vergessen, genau so vergessen wie die großen Sorgen und Mühen unserer Vorfahren beim Aufbau ihrer neuen Heimat im „Busch auf dem Eytscheit“ vor über 500 Jahren.

Chronik Eicherscheid
zusammengestellt von Kurt Förster

ca. 200-300n. Chr. mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit für längere Zeit ein römisches Holzfällerlager „Im Bongert“, Bachstraße, heutiger Kunstrasen- Sportplatz. Die Aufgabe der römischen Arbeiter war Material für den Bau der Rheinbrücken heranzuschaffen. (Ergebnis der Ausgrabungen 2003/2004)
ca. 1400 Gründung von Eicherscheid durch die ersten Siedler
1470-80 16-18 Feuerstellen in „Eytscheit“
1550 50 Feuerstellen werden in Eicherscheid gezählt
1633 Hinrichtung des Opferstockdiebes Christoph H. am Galgen „Am Gericht“
1653 Kleines Glöcklein hängt in der Linde, später in der Kirche mit der Aufschrift „Gott und Maria bewahren mich und den Eycherscheit“
1683 Neubau der Kirche
1684 Erste Abgabenerfassung in Eicherscheid
1685 September, Einweihung der 1. Kirche durch den Steinfelder Abt Theo Firmenich, Kanonikus Bernhard Schneehagen erster Seelsorger, Anlegung des Friedhofs vor der Kirche und im September erster „richtiges“ Begräbnis auf dem neuen Friedhof
1713 Endgültige Abtrennung von der Pfarre Eicherscheid mit Hammer von der Mutterkirche Konzen
1819 Erster Schulneubau, Erster Lehrer Gerhard Bongard, gleichzeitig Küster
1854 Anfänge des späteren Musikvereins Eifelklänge
1896 Gründung Verbrauchergemeinschaft (Konsum)
1897 Gründung der Raiffeisengenossenschaft
1919 Anfänge des Fußballsports unter dem Namen „Eintracht“
1927 Gründung Sportverein
1933 Neubau der jetzigen Pfarrkirche
1938 Baubeginn des Westwalls
1942 Drei Kirchenglocken werden abgebaut und für Rüstungszwecke eingeschmolzen
1945 Die Amerikaner erreichen Eicherscheid, in der Kirche errichten sie ein Frontkino
1950 Busverbindung Eicherscheid-Simmerath-Aachen wird eröffnet
1951 Einweihung des Sportplatzes an der Kirche, Einweihung der neuen Schule
1966 Einweihung des neuen Sportplatzes auf der „Bach“, Anlegung des Kinderspielplatzes auf dem Dorfplatz „Feild“
1972 Neugliederung der Gemeinden, Eicherscheid wird Ortsteil in der Gemeinde Simmerath im neuen Kreis Aachen (vorher eigene Gemeinde-Amt Imgenbroich)
1974 Eröffnung des Kindergartens in der Alten Schule
1978 Gemeinderat beschließt Auflösung der Grundschule Eicherscheid
1984 Einweihung Sportheim, Pfarrheim und der Reithalle
1984 Josef Heinen übernimmt von Simon Förster das Amt des Ortsvorstehers
1986 Eicherscheid´s Fußballer werden Bezirksligameister und steigen in Landesliga auf und spielen hier 5 Jahre
1988 Gründung der Jugendgruppe „Endstation 88“
1989 Eicherscheid erhält die Goldmedaille auf Landesebene im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“
1993 Erstes gemeinsames Frühjahrskonzert von Musikverein, Trommler- und Pfeiferkorps in der Gymnastikhalle
1994 Sonderschule für Lernbehinderte im Gebäude der ehemaligen Grundschule (Bachstraße) wird zur „Förderschule Nordeifel“
1996 Friedhelm Grewe wird Diakon in der Pfarre Eicherscheid
1997 Goldmedaille im Landeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“
1997 Einweihung der Bürger- und Festhalle Tenne
1997 Festabend „70 Jahre SV Germania Eicherscheid“
1997 Festabend 100 Jahre Raiffeisenbank
1997 Festabend 150 Jahre Kirchenchor Eicherscheid
1998 Eicherscheids Fußballer werden Meister der Bezirksliga Aachen und steigen in die Landesliga auf
1999 Konzert der „Schürzenjäger“ auf dem Sportplatz mit ca. 5000 Besuchern
2000 Dorferneuerungsmaßnahme im Bereich Kirche – Am Weiher – Bachstraße wird abgeschlossen
2001 Marion Braun (SV Germania Eicherscheid) wird erstmals Deutsche Meisterin im 100-km-Straßenlauf
2001 Markus Knein holt in Kiel 2 Goldmedaillen bei den „Special Olympics“
2002 Feierlichkeiten 75 Jahre SV Germania Eicherscheid
2002 Jubiläumsveranstaltung 25 Jahre Int. Volkslauf in Eicherscheid
2002 Großes Feuerwehrfest zum 100-jährigen Bestehen
2003 Jubiläumsveranstaltung 150 Jahre Musikverein „Eifelklänge“ Eicherscheid in Verbindung mit dem Kreismusikfest Kreis Aachen
2003 Ausgrabungen nach römischen Fundamenten „Im Bongert“ (bei Erdarbeiten für den neuen Kunstrasenplatz)
2003/04 Kanalbaumaßnahmen in Eicherscheid (reiner Schmutzwasserkanal)
2004 Goldenes Priesterjubiläum vom Ex-Pfarrer und Ex-Dechant Heribert Lennartz
2004 Jubiläumsveranstaltung 80 Jahre Trommler- und Pfeiferkorps Eicherscheid
2004 Günter Scheidt übernimmt von Josef Heinen das Amt des Ortsvorstehers
2005 Einweihung des neu angelegten Kunstrasenplatzes links der Bachstraße, Bundesligist Alemannia Aachen trägt ein Benefizspiel gegen die Eicherscheider Bezirksligamannschaft vor ca. 2200 Zuschauern aus
2006 Goldmedaille im Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“
2006 Lars Förster wird in Eicherscheid Deutscher Meister und Europameister im Seifenkistenrennen in der Senior Klasse
2006 1. Zukunftswerkstatt zur Dorfentwicklung mit der RWTH Aachen mit Beteiligung der Dorfbevölkerung
2006 Eröffnung des privaten Heimatmuseums von Anneliese und Josef Arnolds in der Breitestraße
2007 Goldmedaille im Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ Eicherscheid gehört zu den 8 schönsten und zukunftsträchtigsten Dörfern der Bundesrepublik
2007 Feierlichkeiten Bundesgolddorf und 10 Jahre Tenne
2007 Marvin Isaac wird in Mettingen Deutscher Meister und Europameister im Seifenkistenrennen in der Senior Klasse
2007 Ultraläuferin Marion Braun wird Weltmeisterin im 100 km- Lauf in Winschoten/NL
2008 65 Eicherscheider/innen fahren zur Bundesgolddorf – Siegerehrung bei der Grünen Woche in Berlin. Zu dieser hervorragenden Leistung gratuliert der Bundespräsident Horst Köhler dem ganzen Ort, vertreten durch den Ortsvorsteher Günter Scheidt und den Ortskartellvorsitzenden Winfried Löhrer.
2008 90 Vertreter der OECD Konferenz (Zusammenschluss von 30 Ländern, die sich zu Demokratie und Marktwirtschaft bekennen) besuchen das Golddorf Eicherscheid.
2008 Einweihung Erweiterungsbau der Förderschule (Ganztagschule) mit einem Schulfest
2008 Lucie Kell erhält am „Tag des Ehrenamtes“ für ihr Engagement im dörflichen und sozialen Lebens die „Ehrentafel des Landrats“
2008 Jubiläumsveranstaltung 60 Jahre Landfrauen Eicherscheid in der Tenne
2009 4. Dorfkonferenz mit Beteiligung von der StädteRegion und Fachhochschule Aachen in der Tenne
2009 Übergabe neues Tank-Lösch-Fahrzeug an die freiwillige Feuerwehr
2009 40 Jahre Skatklub Eicherscheid
2009 StädteRegion Aachen löst den Kreis Aachen ab, erster StädteRegionsrat wird Helmut Etschenberg
2009 Günter Scheidt wird als Ortsvorsteher wieder gewählt
2009 Nach 325 Jahren Selbstständigkeit schließt sich die Pfarrgemeinde Eicherscheid notgedrungen der Gemeinschaft der Pfarrgemeinden Simmerath an.
2010 Januar
3. Januar: Messfeier zur Verabschiedung von Pfarrer Schneider und Einführung von Pfarrer Stoffels in Eicherscheid, anschließend Begegnung im Pfarrheim.
April
DSL-Kabel für das „Schnelle Internet“ wird von Simmerath kommend verlegt.22. April: Der „Bergische Jong“ (Diakon und Büttenredner Willibert Pauls) und Jürgen
Jürgen B. Hausmann (Alsdorf) begeistern über 400 Zuhörer in der „Tenne“.24.April: Heinrich Scheidt und Klara Scheidt geb. Kell, Eicherscheid 32, feiern ihre Diamantene Hochzeit.Mai   
1. Mai:, „Freundschaftsspiel“: MV Eifelklänge Eicherscheid und die Musikvereinigung Roetgen begeistern in der „Tenne“ mit Musik, Tanz, Spaß und Überraschungen.Bei der Landesmeisterschaft der Spielleute NRW im münsterländischen Buldern-Dülmen landet das TPK-Eicherscheid ganz vorne mit der Gesamtnote „Sehr gut“.

Ultraläuferin Marion Braun läuft beim berühmten und gefürchteten Rennsteiglauf in der ehemaligen DDR auf einen sensationellen 3 Platz auf der 72,7 km  Strecke.

Juni   
4. – 6 Juni: 125. Verbandsfest der Vereinigten Spielmannszüge Nordeifel in Eicherscheid.

20. Juni: ca. 800 Wanderer nehmen am Wandertag der StädteRegion Aachen rund um Eicherscheid teil.

23. Juni: Besichtigungstour der Bewertungskommission im Europäischen Dorferneuerungs-wettbewerb in Eicherscheid.

Juli 
7. Juli: Eicherscheid erhält von der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorf-erneuerung mit Sitz in Wien den „Europäischen Dorferneuerungspreis für eine ganzheitliche, nachhaltige und Motto gerechte Dorfentwicklung von heraus-ragender Qualität“. Sieger des 11. Wettbewerbs wurde Langenegg im österreichischen Vorarlberg. Eicherscheid fällt zusammen mit 12 Dörfern in die erste Kategorie aus der das Siegerdorf gewählt wurde. Weitere 13 Teilnehmer gehören der nächsten Wertungs-kategorie an, fünf Orte finden sich in der Schlusskategorie.
In der Begründung der Jury heißt es: „Eicherscheid zeichnet sich durch die bürgerschaftliche Erarbeitung und konsequente Realisierung eines ganzheitlichen und nach-haltigen Zukunftskonzeptes vom beispielhafter Qualität aus. Besonders nennenswert sind die Pflege, Revitalisierung und schonende Modernisierung des bestehenden baulichen und kulturellen Erbes sowie der ehrenamtlichen Aktivitäten und innovativen Ideen der Dorf-gemeinschaft zur Sicherung, Schaffung und zum Betrieb wichtiger Versorgungsein-richtungen. Hervorzuheben sind nicht zuletzt auch die fachgerechte Pflege der einzigartigen, von Hecken geprägten Kulturlandschaft und der vorbildhafte soziale Zusammenhalt“.

11. Juli: Sechster Qualifikationslauf zur Deutschen Meisterschaft im Seifenkistenrennen auf der Bachstraße ausgetragen. Alle Piloten der „Eifeler Seifenkistenfreunde“ qualifiziert.

August
2. August: Burkhard I., Hilgers Hahnenkönig mit Bianca Weimer.

Walter Nießen (Eicherscheid)  und Klaus Nießen (Huppenbroich), leidenschaftliche Mountainbiker, schaffen beim 24 Stundenrennen „Rad-am-Ring“ in der „Grünen Hölle“ auf dem Nürburgring in der Altersklasse 50-60 Jahre den Gesamtsieg.
September     • 18., „Bayrischer Abend“ in der Tenne mit „Wies`n-Gaudi“, Stargäste „Die jungen Zellberger“, die „Cheerleader“ des 1. FC Köln und großem Höhenfeuerwerk.

23. – 26. August: , 4-tätige Busreise nach Sand in Taufers in Südtirol zur Entgegennahme des Europäischen Dorferneuerungspreises der ARGE Dorfentwicklung mit 36 Personen.

Oktober
10. Oktober: Bürgerversammlung im Pfarrheim über die Finanzierung der Unterhaltungskosten des Pfarrheims.

24. Oktober: Ultramarathonläuferin Marion Braun gewinnt auf der Schwäbischen Alp den Europacup.

November
Sabine Jakobs als Vorsitzende und Ludwig Siebertz als Schriftführer lösen Winfried Löhrer/Herbert Kaulard im Ortskartell ab.

Franz-Josef Renner, Jugendleiter der „Germania“ seit 1982, wird von der Gemeinde Simmerath für dieses Ehrenamt und herausragende soziale Leistung geehrt.
Dezember

Bei der Jahreshauptversammlung des Pfarrheim-Fördervereins wird Wilfried Huppertz zum Vorsitzenden und Horst Schmitz zum Kassierer gewählt. 2. Vorsitzender bleibt Otto Jungblut und Hubert Förster wurde zum Beisitzer gewählt. Der bisherige Vorsitzende Andreas Giebler tritt zurück weil er sich in seiner Arbeit nicht mehr bestätigt fühlt.