E-ifel mobil in Berlin

Dörfer aus der LEADER-Region stellen ländliches Carsharing auf der „Grünen Woche“ vor
Besuch von Staatssekretär Dr. Kloos am Messestand

Carsharing, die geteilte Nutzung von Fahrzeugen, ist mittlerweile fester Bestandteil des im Sinne von Klimaschutz und Ressourcenschonung notwendigen Mobilitätswandels. In den Städten sind entsprechende Anbieter mit einem umfassenden Netz von Stationen etabliert. Im ländlichen Raum sind die Anforderungen an Carsharingangebote ungleich anspruchsvoller, weshalb sich kommerzielle Anbieter dort bislang kaum engagieren.

Der Schlüssel zum Carsharing auf dem Land liegt in bürgerschaftlich getragenen Initiativen. Dies ist eine erste wichtige Erkenntnis aus dem Projekt „E-ifel mobil“, welches die beim Naturpark Nordeifel angesiedelte Geschäftsstelle der LEADER-Region Eifel angestoßen hat und seit dem Jahr 2013 mit Akteuren aus Dörfern in den Kreisen Euskirchen und Düren sowie der StädteRegion Aachen umsetzt. Dabei werden sytematisch Organisationsformen für die geteilte Fahrzeugnutzung auf dem Land erprobt. Da das Projekt auch dazu dient, Bürger, Verwaltung und Unternehmen für die Möglichkeiten der nachhaltigen, klimafreundlichen Mobilität zu sensibilisieren, werden ausschließlich Elektrofahrzeuge eingesetzt.

Der Weitergabe von Erkenntnissen und Zwischenergebnissen sowie der Austausch mit anderen ländlichen Carsharing-Initiativen kommt besondere Bedeutung zu. Mit diesen Zielen präsentiert sich „E-ifel mobil“ vom 22. bis 26.01.2014 am Gemeinschaftsstand des Landes Nordrhein-Westfalen in der Mottohalle „Lebens(T)raum Dorf“ auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin. Zehn ehrenamtliche Projektvertreter aus den beteiligten Dörfern hatten in den letzten Monaten eine ansprechende Präsentation vorbereitet. Mit Postern, Broschüren und im persönlichen Gespräch informieren sie am Messestand über die Aktivitäten und demonstrieren zum Beispiel die verschiedenen Online-Buchungsportale. Alle Dörfer stellen sich im Laufe der Messewoche auch im Programm der Agrarsozialen Gesellschaft auf der „Landschau“-Bühne mit Vorträgen und in Talkrunden vor. Als besonderer Eye-Catcher hatte das Dorfauto aus Hürtgenwald-Gey, ein Elektro-PKW vom Typ Citroen C-Zero, seinen Weg nach Berlin gefunden. Das Modell einer Stromladesäule rundet das Bild ab.

Dass das Projekt mittlerweile auch bundesweit als vorbildlich wahrgenommen wird, zeigte der Besuch von Dr. Robert Kloos, Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, am Stand. Der Euskirchener Bundestagsabgeordnete Detlef Seif hatte den Staatssekretär eingeladen, die Aktivitäten in der Eifel kennenzulernen. Gemeinsam informierten sie sich aus erster Hand über die Initiative „E-ifel mobil“. Gemeinsam mit den Projektakteuren aus den Eifeldörfern erläuterte LEADER-Regionalmanager Alexander Sobotta die Idee hinter „E-ifel mobil“.

In der StädteRegion Aachen beteiligt sich Simmerath-Eicherscheid an „E-ifel mobil“. Ortsvorsteher Günter Scheid und seine Frau Renate stellten in Berlin das Konzept vor. Ein Dorfauto wird in wenigen Tagen als neues Gemeinschaftsprojekt der Eicherscheider unter dem aktuellen Dorfmotto „Neue Energie für ein starkes Miteinander“ anrollen. Das Projektteam um den Ortsvorsteher erwartet damit einen weiteren Beitrag zur Stärkung der Infrastruktur, z.B. durch die Anbindung an den örtlichen Lebensmittelladen und die ergänzende Nutzung für die Warenauslieferung. Geplant ist zudem ein bedarfsorientierter ehrenamtlicher Fahrservice. Die Eicherscheider bauen beim Dorfauto vor allem auf den starken Zusammenhalt und die vielen gemeinsamen Aktivitäten im Dorf. Denn dadurch konnten schon viele Gemeinschaftsprojekte im Dorf realisiert werden. So konnten auch die Auszeichnungen als Golddorf im Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ 2007 und mit dem „Europäischen Dorferneuerungspreis für ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität“ 2010 erreicht werden. Für die Pilotphase stellt die EWV Energie- und Wasser-Versorgung Stolberg das Auto zur Verfügung.

Wie in vielen anderen Mittelgebirgsregionen müssen in der Eifel für den Weg zur Arbeitsstätte, zu Freizeitaktivitäten und zur täglichen Versorgung vergleichsweise weite Distanzen überwunden werden. Der ÖPNV ist zwar gut entwickelt, häufig bietet er aber keine Alternative zur Nutzung des PKW. Wie eine Befragung in der LEADER-Region Eifel ergeben hat, verfügen über 60 % der Haushalte über mindestens zwei Autos.

In Simmerath-Eicherscheid, Nideggen-Berg, Hürtgenwald-Gey und Blankenheim-Freilingen haben sich engagierte Personen zusammengeschlossen, um ein Elektroauto und in einem Fall auch Pedelecs, Fahrräder mit elektrischer Tretunterstützung, gemeinsam zu nutzen. Für den Zeitraum einer mehrmonatigen Testphase stellen die ene Energie Nordeifel und EWV Energie- und Wasser-Versorgung Stolberg sowie die Kreisverwaltung Düren die Fahrzeuge zur Verfügung. Während dieser Zeit stehen die Entwicklung dauerhaft tragfähiger und auf die Anforderungen des ländlichen Raums zugeschnittener Betriebsmodelle sowie die Gewinnung weiterer Nutzer im Vordergrund. Die Dörfer werden dabei durch die LEADER-Geschäftsstelle unterstützt und begleitet. Die StädteRegion Aachen sowie die Kreise Euskirchen und Düren beteiligen sich im Rahmen ihrer Klimaschutz- und Mobilitätskonzepte sowohl finanziell als auch durch aktive Mitarbeit an dem bis Anfang 2015 angesetzten Projekt.